Der Drache als Kinderheld

Der Mythos vom Drachen ist beinahe so alt wie die Menschheit selbst – einige der ältesten Funde von Darstellungen dieser ursprünglichen Mischwesen lassen sich auf bis zu 3900 vor unserer Zeitrechnung zurück datieren. Von der Bibel bis zu vielen anderen Weltreligionen und Mythologien – der Drache als fabelhaftes Wesen ist fester Bestandteil unserer Kulturhistorie. Zumeist als feuerspeiendes fliegendes Ungetüm, besonders geprägt durch die Drachendarstellung im Mittelalter. Zeitgleich entwickelte sich der heroische Mythos vom Drachentöter.

Heutzutage ist der Drache besonders populär in der Fantasyliteratur oder in zahlreichen Fantasyfilmen, wie „Dragonheart“, „Eragon“, „Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“. Aber auch in Geschichten für Kinder taucht er immer wieder auf. Diesmal allerdings als liebenswürdiger Kinderheld und nicht mehr als schreckenerregendes Ungeheuer.

Der moderne Drache

Nachdem der Drache in die Fantasykultur adaptiert wurde, bspw. in Form des Drachens Smaug in Tolkiens Welt Mittelerde, sowie zahlreicher anderer fantastischer Geschichten bis hin zum Rollenspiel, erfuhr das Wesen des Drachens in den vergangenen Jahrzehnten eine gravierende Veränderung hin zum Liebling der Kinder. Während in der Fantasyliteratur der Drache noch sowohl gut wie auch böse sein konnte, erfand man Drachen im Bereich der Kinderliteratur später grundsätzlich neu: der Drache wurde zum Freund des Menschen, inbesondere zum Freund der Kinder, und damit zum Kinderheld.

Eines der wohl bekanntesten Filmbeispiele für einen Drachen als knuffiger Freund ist der US-amerikanische Familienfilm „Elliot, das Schmunzelmonster“ aus dem Jahre 1977. Hier wird Titelheld Elliot als liebenswürdiger Tollpatsch dargestellt, der sich schnell mit den Menschen, zuerst mit einem kleinen Jungen, anfreundet.

Der Drache als Freund und Beschützer

Zwei Jahre vor Disneys Schmunzelmonster wurde bereits in Italien die Kinderzeichentrickserie „Grisu, der kleine Drache“ ausgestrahlt (zeitgleich mit „Elliot“ 1977 auch in Deutschland). Die liebevollen Geschichten in 28 Episoden um den Jungdrachen Grisu, dessen größter Wunsch es ist, Feuerwehrmann zu werden, machten Grisu zu einem Vorbild für Kinder. Die Serie wird bis heute im deutschen Fernsehen wiederholt und das Konterfei von Grisu hat sich vielerorts als Maskottchen für die Feuerwehr etabliert.

Mit Fuchur fand ein weiterer Drache den Weg auf die Leinwand, 1979 erstmals in Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“, später dann als Kinofilm im Jahre 1984. Hier wird der (anders als sonst üblich) weißfellige Fuchur als weise und sanftmütig dargestellt. Er ist Beschützer und Retter des kleinen Bastian.

Bereits 1969 fand sich in der „Augsburger Puppenkiste“ die Figur von Urmel, der später als eigenständige Figur unter dem Namen „Urmel aus dem Eis“ sein Debüt feiern durfte. Urmel ist die wohl meist adaptiere Figur eines Drachens in der deutschen Medienlandschaft und für viele der Kinderheld schlechthin.

Deutlich pädagogischer und niedlicher geht es in Cornelia Haas´ 2006 erschienenen Kinderbuch „Mein Freund, der Drache“ zu, in dem es um die ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem jungen Drachen Dragomir und dem Ritter Rufus geht.

Nicht zuletzt ist natürlich der Drache Tabaluga zu nennen, erdacht unter anderem von Peter Maffay, über den die zur Zeit wohl beliebtesten Geschichten für Kinder (und Erwachsene) erzählt werden. Und der Kinderheld erfüllt auch noch einen guten Zweck, denn durch den Erfolg von Tabaluga und seinen Freunden wurde die Tabaluga-Stiftung ins Leben gerufen, die Kinder in Not mit zahlreichen Projekten unterstützt.

Die Liste der Drachen als Kinderheld kann unendlich weiter geführt werden, vom gefräßigen Drachen Poldi aus der Kinderserie „Hallo Spencer!“ bis zum hilfsbereiten Halbdrachen Nepomuk aus der „Jim Knopf“-Reihe, denn Drachen haben sich einen unsterblichen Platz in den Träumen vieler Kinder gesichert.